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29.01.2018 - 5 Wohnungen - 2 Geschichten

Ende 2016 wurde die erste BISS-WG in München Solln gegründet. Drei BISS-Verkäufer kamen in dieser Übergangswohnung unter und sollten möglichst innerhalb eines Jahres eine feste Wohnung finden. Außerdem wollte die Stiftung weitere kleine Wohnungen kaufen zur Vermietung an bedürftige Personen. Wie ist der Stand nach einem Jahr?


Die BISS-WG
Hildegard Denninger (l.), Sanda Boca, die Waschmaschine und Hündchen Cora

 

Text Hildegard Denninger

Vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle unser neues Projekt vorgestellt, die BISS-WG: In Zusammenarbeit mit dem Verein BISS e. V. möchte die Stiftung einige Übergangswohnungen schaffen, deren Verträge zunächst auf ein Jahr befristet sind. Die Wohnungen sollen Brücken schlagen von Obdachlosigkeit oder prekären Wohnverhältnissen hin zur eigenen Mietwohnung. Die Nutzer der Wohnungen werden von Sozialpädagogen und ehrenamtlichen Helfern betreut, es wird eine Art „Wohntraining“ gemacht, das auch Strategien zur Bewältigung des Alltags vermitteln soll. Das geht vom Benutzen der Geräte, Putzen, Vorratshaltung bis hin zur Anmeldung bei Behörden und Abwicklung der Bankgeschäfte.

DIE WOHNUNG IN SOLLN

Diese Wohnung, die die Stiftung 2016 von einer dem Projekt BISS gewogenen Person erwerben und umbauen konnte, war unser Pilotprojekt. Seit Ende 2016 wohnen drei BISS-Verkäufer dort und haben sich in dem Haus gut eingelebt. Es gab am Anfang ein paar kleinere Schwierigkeiten mit den Nachbarn, die aber ausgeräumt werden konnten, indem der Standort eines Fernsehers verlegt wurde und unsere Verkäufer die Zigarettenkippen nicht mehr über die Balkonbrüstung auf den Rasen schnippten, sondern im Aschenbecher ausdrückten und korrekt entsorgten. Nachdem wir ihnen nachgewiesen hatten, dass es 250 Kippen waren, die auf dem Rasen lagen, und nicht, wie von ihnen vermutet, 10 bis 20, war das gar kein Problem mehr. Der erste WG-Bewohner, Herr Plesa, der im November eingezogen war, konnte bereits im Juli 2017 ein eigenes Appartement anmieten. Das Angebot kam von einem BISS-Leser. Herr Plesa bekam vom Verein BISS e. V. – wie jeder Verkäufer, der das erste Mal in eine eigene Wohnung zieht – Ausstattung im Wert von 1.500 Euro zur Verfügung gestellt. Herr Plesa ist seitdem ziemlich glücklich. Besonders auch, weil er sich an unseren Rat gehalten hat, beim Verlassen seiner Wohnung den Schlüssel immer zweimal umzudrehen. So konnte ein Einbruch in seine Wohnung vereitelt werden, denn die Einbrecher konnten das Schloss nicht knacken. Er hält jetzt große Stücke auf die deutsche Polizei, die im Haus Beweise sicherte und ihn ausdrücklich lobte für sein Verhalten.

Den Platz von Herrn Plesa hat nun Herr Vlad eingenommen, ein 80-jähriger Kollege, der ebenfalls aus Rumänien kommt und vorher keine Wohnung hatte. Er musste während seiner obdachlosen Zeit einige Male im Krankenhaus behandelt und operiert werden und sah oft schrecklich mitgenommen aus. Herr Vlad, eine Seele von Mensch, ist richtig aufgeblüht, nachdem er in die WG eingezogen war. Mit rosigen Wangen und gut angezogen sitzt er seitdem an seinem Standplatz im Ostbahnhof und freut sich, wenn man vorbeikommt. Seine Mitbewohner, Herr Dragomir, der gemeinsam mit Herrn Plesa eingezogen ist, und Herr Pâncescu, der seit Dezember 2016 in der WG wohnt, suchen noch nach einer eigenen Wohnung. Wir hoffen sehr, dass es bald klappt, denn es wäre gut, wenn wir wenigstens ein Zimmer im Winter frei hätten für Notfälle.

DAS APPARTEMENT IN BERG AM LAIM

ist wie die Wohnung in Solln zum Übergang gedacht. Wir erwarben das Appartement 2017 ebenfalls von einer treuen BISS-Leserin, die auch schon ein Appartement an den Verein BISS e. V. vermietet hat. Als wir unserer Verkäuferin Frau Boca das Appartement zeigten, waren die langjährigen Mieter gerade ausgezogen. Bad, Küchenzeile, Boden und Fensterfront waren sanierungsbedürftig, alles sah ziemlich mitgenommen aus. Wir erklärten ihr, dass die Wohnung komplett renoviert und möbliert werden würde und sie sie dann nutzen könnte, bis sie eine andere, eigene Wohnung gefunden hätte. Frau Boca schaute sich um, deutete auf die Küchenzeile, sah uns fragend an und sagte dann mehrmals: „Waschmaschine??“ Ich erklärte mithilfe eines BISS-Mitarbeiters, der Rumänisch spricht, dass in die Küchenzeile nur ein Herd und ein Kühlschrank passen, es aber im Keller einen Waschraum mit Waschmaschinen und Trocknern gebe, die alle Mieter nutzen könnten. „Nicht gut“, sagte Frau Boca, „ich brauche Waschmaschine hier.“ Nach längerer Diskussion über die Notwendigkeit eines Herdes und Kühlschrankes verblieben wir so, dass sie die Wohnung auf jeden Fall nimmt, es jedoch sehr gut finden würde, wenn eine Waschmaschine im Raum wäre. Wir machten keine Zusage, versprachen aber, unser Möglichstes zu tun. Als wir vor Unterzeichnung des Nutzungsvertrages dessen Inhalt erklärten, sagte Frau Boca bei ungefähr jedem zweiten Punkt: „Herd mir egal! Kühlschrank egal! Waschmaschine! Waschmaschine!!“ Wir haben dann eine Lösung gefunden: Herd und Waschmaschine wurden in die neue Küchenzeile integriert, dafür kam der Kühlschrank in den Eingangsbereich neben den Garderobenschrank. Was den Vorteil hat, dass man nachts im Zimmer das Summen des Kühlschranks nicht hören kann. Frau Boca zog dann im Oktober mit ihrem kleinen Hund in die Wohnung ein, wo sie als Erstes die Waschmaschine laufen ließ.

Drei weitere Wohnungen hat die Stiftung an Außenstehende vermietet:

DAS APPARTEMENT IN SENDLING/WESTPARK

Dieses Appartement haben wir 2013 von Freunden und Gönnern von BISS, einem Geschwisterpaar, geschenkt bekommen. Den langjährigen Mieter haben wir natürlich übernommen, und er hat sich sehr gefreut, dass wir ihn erstens nicht vertreiben wollten und zweitens die Miete nicht erhöht haben. Das wäre auch ganz und gar nicht im Sinne der beiden Schenkenden gewesen.

DAS APPARTEMENT IN OBERSENDLING

Auch hier haben wir den Mieter, einen Senegalesen, der schon viele Jahre in einem gastronomischen Betrieb in München arbeitet, übernommen. Auch hier konnte man sehen, wie erleichtert er war, als wir ihm versicherten, dass sich die Bedingungen mit dem Eigentümerwechsel für ihn nicht ändern würden.

DIE WOHNUNG IN KARLSFELD

Diese Wohnung wird spätestens in zwei Jahren frei, wenn das Haus, das die jetzigen Bewohner und Eigentümer bauen wollen, bezugsfertig ist. Bis dahin darf die Familie gegen eine entsprechende Nutzungsgebühr weiterhin wohnen bleiben. Danach werden wir voraussichtlich die Familie eines BISSVerkäufers dort unterbringen. Karlsfeld liegt noch im 4-Ringe-Bereich des öffentlichen Nahverkehrs, die Wohnung ist nur fünf Minuten von der S-Bahn entfernt, und Kindergarten und Schulen sind in unmittelbarer Nähe. Die Wohnungen in Berg am Laim und Karlsfeld haben wir Ende 2017 erworben. Dafür haben wir sowohl Spendengelder als auch Gelder aus dem Vermögensstock der Stiftung eingesetzt. Momentan sind keine weiteren Gelder zum Ankauf von Wohnungen verfügbar, denn wir wollen auch weiterhin Ausbildungs- und Qualifizierungsprojekte unterstützen.

UNSER GROSSER WUNSCH

Schön wäre es, wenn der Stiftung irgendwann ein größeres Gebäude oder Grundstück zukommen würde, wo wir unsere Vorstellung einer ordentlichen, bunt gemischten, fröhlichen Hausgemeinschaft verwirklichen könnten. In dem Haus würden Alte und Junge, Ärmere und Reichere, Deutsche und Migranten friedlich nebeneinander wohnen und sich das Leben schöner und nicht schwerer machen. Die Menschen würden zu bezahlbaren Mieten dort wohnen, sich bei der Bewältigung des Alltags gegenseitig helfen und von den unterschiedlichen Erfahrungen profitieren. Wenn sie es wollten, könnten sie teilhaben an gemeinsamen Aktivitäten oder Unternehmungen. Vielleicht können wir ja doch noch irgendwann einen Teil unserer Hotel-BISS- Vorstellungen verwirklichen. Sind wir zu blauäugig? Nein, wir sind optimistisch und glauben fest daran, dass sich Qualität durchsetzt und das Gute siegt. Wir haben die Vision einer Stadt, in der alle Bevölkerungsgruppen miteinander und nicht desinteressiert nebeneinanderher leben. Denn so lebt es sich besser, erst recht unter einem gemeinsamen Dach.

Wie kann man das Projekt „Kauf von geeigneten Immobilien zur Versorgung und Betreuung armer, ausgegrenzter Menschen“ unterstützen?

Stiftungseigene Wohnungen: 5
Angemietet von BISS e. V.: 3
Wohnplätze insgesamt: 13

In alter Verbundenheit
Ihre Hildegard Denninger